Statistik · 22.07.2026

Schwarzarbeit am Bau: Was die Zahlen wirklich zeigen

Zum Thema Schwarzarbeit am Bau kursieren viele Zahlen. Wir haben die wichtigsten Quellen zusammengestellt – mit Herkunft, Methodik-Hinweis und ohne Übertreibung.

Kaum ein Thema in der Baubranche wird so häufig mit großen Zahlen illustriert wie Schwarzarbeit – und kaum ein Thema verträgt so wenig ungeprüfte Zahlen. Wir haben deshalb drei unabhängige Quellen gegenübergestellt: die Branchenstatistik von SOKA-BAU, die Kontrollzahlen des Zolls und die gesamtwirtschaftliche Schattenwirtschaftsforschung.

Wie groß ist das Problem im Bauhauptgewerbe?

Nach eigenen Angaben von SOKA-BAU wird der Anteil der Schwarzarbeit im Bauhauptgewerbe auf bis zu ein Drittel der geleisteten Arbeitsstunden geschätzt. Bezogen auf einen Branchenumsatz von 163 Mrd. € entspräche das einem Volumen von bis zu 54 Mrd. €, das jährlich an Finanzamt und Sozialkassen vorbeigeschleust wird. Für SOKA-BAU selbst bedeutet das einen geschätzten Beitragsausfall von 1,2 bis 2,4 Mrd. € pro Jahr.

Die oft zitierte 126-Milliarden-Zahl

Häufig kursiert die Zahl von rund 126 Mrd. € jährlich entgangener Staatseinnahmen durch Schwarzarbeit am Bau bundesweit. Diese Zahl geht auf eine Berechnung von SOKA-BAU zurück, über die unter anderem die Gewerkschaft IG BAU in ihrem Mitgliedermagazin „Grundstein“ berichtet hat. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine Schätzung, keine amtliche Erhebung – wie bei allen Zahlen zur Schattenwirtschaft lässt sich Schwarzarbeit per Definition nicht exakt messen, sondern nur modellieren.

Was der Zoll tatsächlich feststellt

Neben Schätzungen gibt es auch harte Kontrollzahlen: Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) der Zollverwaltung hat 2025 im Bauhaupt- und Baunebengewerbe – inklusive Dachdecker-, Elektro-, Gerüstbauer-, Maler- und Lackierer-Handwerk sowie Steinmetz-/Steinbildhauergewerbe – bundesweit über 10.000 Strafverfahren und knapp 7.900 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Rund 60 % der 2025 von der FKS insgesamt festgestellten Schadenssumme entfielen auf die Baubranche. Wie hart Einzelfälle ausfallen können, zeigt ein aktuelles Verfahren vor dem Landgericht Dortmund: Ein Bauunternehmer wurde zu knapp drei Jahren Haft verurteilt, nachdem Ermittler in über 50 Fällen vorenthaltenes Arbeitsentgelt mit einem Gesamtschaden von rund 2,7 Mio. € nachgewiesen hatten.

Der gesamtwirtschaftliche Rahmen

Auch jenseits des Baugewerbes wächst die Schattenwirtschaft in Deutschland. Nach der laufenden Schätzung von Prof. Friedrich Schneider (Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung, IAW Tübingen) erreicht sie 2026 rund 538 Mrd. € beziehungsweise etwa 11,6 % der offiziellen Wirtschaftsleistung – ein Anstieg um rund 30 Mrd. € gegenüber dem Vorjahr. Der Bau gehört dabei traditionell zu den Branchen mit besonders hohem Schwarzarbeitsanteil.

Berlin im Detail

Regional liegen für Berlin eigene Auswertungen der Sozialkasse Berlin vor: Im Zeitraum 2017 bis 2021 belief sich die nicht gemeldete Bruttolohnsumme demnach auf rund 432,1 Mio. € – bei einer angenommenen betrieblichen Auslastung von 90 %. Genau an diesem Punkt setzt das Pilotprojekt der Sozialkasse Berlin mit digitaler Zeiterfassung an, über das wir in einem eigenen Beitrag berichten werden.

Warum diese Einordnung wichtig ist

Schwarzarbeit lässt sich naturgemäß nicht direkt zählen, sondern nur über Modelle, Stichproben und Kontrollstatistiken annähern. Genau deshalb hält BauSec sich an eine Grundregel: Jede auf dieser Website verwendete Zahl ist einer konkreten, benannten Quelle zugeordnet – und wenn eine Zahl nicht belegbar ist, wird sie nicht verwendet.


Quellen: SOKA-BAU, „Schwarzarbeit – Statistik“ (soka-bau.de); Zoll online, Pressemitteilung „Zoll überprüft das Baugewerbe“, 2026; IG BAU, Grundstein, „App statt Zettel: Die digitale Arbeitszeiterfassung auf dem Bau im Praxistest“, 23.11.2023, Autor Tobias Wark; Berichterstattung zur Schattenwirtschaftsstudie von Prof. Friedrich Schneider (IAW Tübingen), Januar 2026.